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TANZEN FÜR FRIEDEN – EINE FRIEDENSMESSE – 09. OKTOBER 2014

Ein hamburg-weites Projekt: „Religionen: Wege zum Frieden“

 

„The Armed Man“ von Karl Jenkins mit Studierenden der Lola Rogge Schule wurde am Donnerstag, den 9. Oktober um 19:30 Uhr in der Hauptkirche St. Michaelis, dem Hamburger „Michel“ aufgeführt.

 

Leid und Hass und Kampfeslust, tiefe Trauer und Ratlosigkeit, aufkeimende Hoffnung und Freudentaumel erklangen in dieser mehr als einstündigen Friedensmesse unter der musikalischen Gesamtleitung von Manuel Gera.

 

Choreographie: Christiane Meyer-Rogge-Turner
Musikalische Gesamtleitung: Manuel Gera

 

Diese Friedensmesse bildete den gemeinsamen Abschluss des hamburgweiten Projektes „Religionen: Wege zum Frieden“, welches am 24. August startete. Dabei wurde von verschiedenen Institutionen die Rolle der Religionen in den Kriegen unserer Zeit thematisiert.
Getanzte Friedensmesse im Michel

Es ist nicht das erste Mal, dass Studierende der Lola Rogge Schule in einer Choreographie von Christiane Meyer-Rogge-Turner im Michel auftreten. Hauptpastor A.D. Helge Adolphsen hatte vor vielen Jahren den Anstoß gegeben. Damals ging es um eine Tanzperformance zum Thema „Brücken verbinden Menschen“ anlässlich eines Hafengeburtstagsgottesdienstes. Mehrere andere Projekte folgten, wozu ein Fernsehgottestdienst im Zusammenhang mit „Brot für die Welt“ gehörte.

 

Dieses Mal aber geht es um ganz etwas Besonderes. Es geht um ein Projekt zur Friedensarbeit in Hamburg, das mit vielen Veranstaltungen zum Thema Frieden zur Zeit stattfindet. Abschluss und Höhepunkt der Veranstaltungsreihe wird die Aufführung der Friedensmesse „The Armed Man“ von Karl Jenkins am 9.Oktober im Michel sein.

Manuel Gera, Kirchenmusikdirektor der Kantorei St.Michaelis, hatte die Idee, die Friedensmesse dieses Mal nicht mit dokumentarischen kriegsbezogenen Filmausschnitten optisch zu begleiten, und bat stattdessen Christiane Meyer-Rogge-Turner um – so wörtlich – einen sparsamen, kreativen und ausdrucksstarken Tanz. Damit trifft er genau den in ihrer künstlerischen Arbeit bevorzugten Tanzstil und konnte sie begeistern, eine Choreographie zu der mehr als einstündigen Messe zu kreieren. Nun sind die Vorbereitungen in vollem Gange. Die Kantorei St. Michaelis, ihr erweitertes Orchester sowie der Chor des Goethegymnasium, insgesamt um die 300 Musiker, werden den Michel zum Klingen bringen. Ein einmaliges Erlebnis auch für die Studierenden der Lola Rogge Schule!

 

 

 

Gedanken zur Friedensmesse von Christiane Meyer-Rogge-Turner:

 

„Die Friedensmesse von Karl Jenkins zu choreographieren, ist sicher keine leichte Aufgabe. Sie beginnt mit der Berücksichtigung der sehr unterschiedlichen Sicht der Zuschauer im Kirchenraum. Durch unsere einfachen Umkehrtische können wir die Sicht verbessern und haben zugleich den Vorteil, mit ihnen Strukturen im Raum zu verändern. Jenkins‘ Musik, die sich keinem einheitlichen Stil unterordnet, bot reiche Abwechslung für unterschiedliche Tanzbilder.

Sparsam, kreativ und ausdrucksstark sollte der Tanz laut Manuel Gera werden. Von einfachen Zeichen bin ich ausgegangen.

Mit dem Zeichen X P , den Buchstaben INRI, dem Kreuz, dem allgemein bekannten Friedenszeichen und der Geste des Empfangens und des Gebens, die ich aus der Armhaltung der Sufis im Derwischtanz hergeleitet habe, fand ich unter anderem Bewegungen für die Arme, die meines Erachtens in den vorgegebenen Rahmen des Kirchenraums und der bekannten Messe-Sätze, die das Musikwerk durchziehen, passten.

 

Unter den verschiedenen Sätzen kommt dem „Sanctus“ eine Sonderrolle zu. Alle anderen Sätze/Szenen, ausgenommen noch der 7. Satz „Charge“, zeigen tänzerisch eher Zustände und keine dramatische Entwicklung. Im Sanctus wird das christliche Zeichen XP, also die ineinander geschriebenen griechischen Anfangsbuchstaben des Namens „Christus“, genutzt, um den möglichen Missbrauch der Religionen beispielhaft darzustellen. Es geht hier nicht nur um das Christentum, sondern um jeglichen ideologischen Terror. „Hochmut kommt vor dem Fall“ war ein Gedanke, der meines Erachtens in der Musik seine Entsprechung finden kann, und so stürzt in unsrer Sanctus-Szene, wer sich ermächtigt – bleibt aber nicht liegen….

 

Die Zerstörung des Kreuzes, das im „Kyrie“ feierlich aufgebaut wird, dient der Verdeutlichung.
Der sich anschließende 6. Satz, choreographisch als Prozession gelöst, hat keine Verbindung zum „Sanctus“. Jeder Satz/ jede Szene soll für sich stehen.

 

Möge unser Tanz als ein Zeichen für Frieden gelingen!
Mein herzlicher Dank gilt den Tänzerinnen und Tänzern und allen anderen, die dieses Projekt tatkräftig unterstützt haben.“

 

 

 

Als kleinen Nachklang auf den Besuch in der Lola Rogge Schule am 18.09.2014 – von Manuel Gera:

 

„Heute besuchte ich die Lola-Rogge-Schule anlässlich einer Probe der Choreografie für das Friedenskonzert, in dem wir die „Mass of Peace – The Armed Man“ von Karl Jenkins aufführen werden.

Was ich heute erlebte, werde ich so schnell nicht vergessen:
Nachdem einige bereits entwickelte Teile der Choreografie perfektioniert wurden, bildete man einen kommunikativen Kreis, in den hinein die Chefin, Christiane Meyer-Rogge-Turner, ihre Gedanken zum Benedictus der Messe erläuterte. Mit einem Zitat aus der Bachschen Matthäuspassion „Sonst hat mein Jesus nichts getan“ inspirierte sie die jungen Tänzer und Tänzerinnen zu einer Improvisation nach sparsamen Vorgaben: Darstellung der Erblindung – die Augen wurden mit der Armbeuge verschlossen – und Erlösung durch einen Partner, Aufrichten von depressiven, gekrümmten Menschen, Befreiung von Krämpfen (Traumata nach Kriegserlebnissen?), Aufhebung der Einsamkeit durch sanfte Begleitung.

 

Christiane Meyer-Rogge-Turner ging es um die Darstellung christlicher Inhalte, deren Umsetzung sie im Alltag unserer Mitmenschen so sehr vermisst.
Die Musik von Jenkins Benedictus wurde eingespielt – Ich war im Herzen tief getroffen von dem, was ich nun sah. Junge Menschen nehmen sich einander wahr, bauen eine Beziehung zueinander auf, erkennen, was dem anderen fehlt, lösen sein Leid – tauschen danach wie selbstverständlich die Rollen, werden vom rettenden Engel zum Bedrängten und andersherum. Langsame, eindringliche Bewegungen, liebevolle Mimik und Gestik verdichten die eigentlich ereignislose Musik dieses Benedictus zu einer hochenergetischen Masse.

 

Selten habe ich christliche Verkündigung, den Apell zur Mitmenschlichkeit komprimierter oder intensiver erlebt.

Das Konzert am 9.10. mit seinem klaren Bekenntnis zum Frieden zwischen allen Menschen, Kulturen und Religionen wird eines der wichtigsten in meinem Leben werden.“

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